
Ich habe nie wirklich Lust auf Spaziergänge. In meiner Vorstellung sind sie langweilig, und innerlich wehre ich mich dagegen. Mein Mann ist kein wahnsinniger Freund von Spaziergängen, doch er zieht mich mit und sagt: „Wir müssen täglich raus, wir müssen gehen.“ Anfangs stöhne ich innerlich, denke an die warme Wohnung und daran, wie schön es wäre, einfach sitzenzubleiben. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich eine absolute Stubenhockerin.
Ich raunze noch ein bisschen, raffe mich dann aber schlußendlich doch auf. Warm eingepackt geht es hinaus, heute bei minus 11 Grad und Sonnenschein.
Der geeignete Weg führt durch den Wald, der wunderschön ist, auch wenn er an manchen Stellen abgeholzt wurde und die Wege jetzt voll sind mit Restholz, Ästen und Zweigen. Der Gedanke daran, hier wie früher Schwammerl und Pilze zu finden, ist kaum vorstellbar.

Doch kaum bin ich 30 Meter gegangen, verändert sich langsam meine Einstellung. Mein Widerstand verschwindet – fast. Manchmal, wenn ich schlecht gelaunt bin, merke ich immer noch die leise innere Stimme: lass uns umdrehen, es reicht ja schon, genug, gehen wir wieder heim. Mein Mann lässt das nicht zu und recht hat er.
Ich spüre, wie gut Gehen meinem Körper und meiner Stimmung tut: Herz und Kreislauf werden gestärkt, Stress löst sich, die Laune steigt. Selbst wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist, merke ich hinterher die positive Wirkung. Und ich ertappe mich beim Gedanken, dass gerade diese Waldpaziergänge einen kleinen, aber feinen Nebeneffekt im Winter haben: Kein Salz, kein Streugut, kein Straßen-Dreck – einfach sauberes Gehen auf weichem Waldboden. Mein Hüftgelenk, da mir oft beim Gehen auf der Straße weh tut, dankt es mir.

Psychologisch gesehen ist so ein Spaziergang auch ein bisschen ein Energiebooster. Anfangs widerstrebt es mir, aber während ich gehe, nimmt mein Gehirn die Umgebung bewusster wahr. Ich konzentriere mich auf den Rhythmus oder auch nur auf das Setzen meiner Schritte. Denn im Schnee hinter meinem Mann herstapfen ist zwar nicht schwierig, doch der verschneite Weg ist sehr uneben, die Wurzeln verdeckt.

Und dann sind die Gedanken freundlicher, die Stimmung besser, der kleine innere Widerstand schmilzt dahin. Jetzt im Schnee Spuren zu sehen, macht mir Freude. Ich sehe die Spuren von Schuhen und daneben Hundepfoten, aber auch Hufe von Rehen, Pfoten von Hasen und vermutlich die eines Fuchses. Ich stelle mir vor wer da vor mir den Schnee berührt hat, gegangen, gehoppelt und gerannt ist.

Wenn du selbst Schwierigkeiten hast, dich zum Gehen zu motivieren, helfen vielleicht ein paar einfache Tipps: Höre einen Podcast oder Musik. Setz dir kleine, erreichbare Ziele – schon 15 Minuten reichen. Nimm bewusst wahr, was um dich herum passiert, statt gegen den Spaziergang zu kämpfen. Verabrede dich mit jemandem zum Gehen – gemeinsam fällt es leichter. Erinnere dich an das Gefühl danach, nicht an den Anfang.

So schön es ist, eine in eine warme Wohnung zurück kommen zu können, es gibt Menschen, die draußen sind und es schwer haben. In der kalten Jahreszeit kann das Leben draußen für obdachlose Menschen lebensgefährlich werden. Es ist gut zu wissen, dass es Hilfsangebote gibt, an die man sich wenden kann, wenn man jemanden in großer Not sieht.

Kältetelefon in der Steiermark
Wenn du in Graz bzw. in der Steiermark unterwegs bist und eine obdachlose Person siehst, die bei Minusgraden geschützt werden muss, kannst du das Caritas-Kältetelefon anrufen:
📞 0676 880 15 8111 – täglich von 18:00 bis 24:00 Uhr, von ca. 11. November bis 31. März.
Das Team nimmt deinen Hinweis dann entgegen, kontaktiert die betroffene Person und bietet Hilfe an – sei es ein Platz in einer Winternotschlafstelle oder ein Notpaket mit Schlafsack, Decke und warmer Kleidung.
In akuten Notfällen, wenn jemand offensichtlich medizinische Hilfe benötigt, wähle den Notruf 144.
Bis zum nächsten Mal!


