Mehltau

Mehltau ist die häufigste Pilzerkrankung in unseren Gärten. Deshalb hier einmal ganz ausführlich alles was ich schon immer über Mehltau wissen wollte zusammengefasst. Schliesslich soll man seine Gartenfeinde ja kennen. Unter dem Namen Mehltau findet man mehrere Erreger. Grundsätzlich aber den echten und den falschen Mehltau.

Meine eigene Erfahrung mit dem echten Mehltau beschränkt sich bis dato auf zwei Pflanzen: einen Kugelbaum dessen Mehltau ich einfach ignoriere und den Baum jedes Jahr auslichte. Und dann sind da die Gurken- und Melonenpflanzen im Folientunnel. Hier habe ich Pflanzen verschiedener Sorten gesetzt und alle wurden mehr oder weniger stark und verschieden schnell befallen. Besprühen mit verdünnter Milch hat nicht sehr viel geholfen, aber eventuell wäre es noch schlimmer gewesen ohne die Spritzungen. Die Erde im Folientunnel war dieses Jahr noch ziemlich dürftig, reine Gartenerde mit etwas Kompost, wir haben den Tunnel ja erst im Frühjahr gebaut. Gedüngt habe ich mit Brennnnesseljauche und Schachtelhalmjauche abwechselnd. Die Ernte der Gurken war anfangs sehr gut, mit der Zeit hat es jedoch nachgelassen, bei den Melonen hat eine Pflanze gut durchgehalten, die andere war gleich mal zu schwach. Gurkenpflanzen in Nachbarsgarten waren im Freiland frei von Mehltau. Nächstes Jahr werde ich den Anbau im Freiland wählen und bei Bedarf viele dieser Tipps anwenden.

  • Belag: abwischbar, weiss, später bräunlich-grau auf den Blattoberseiten und allen anderen Pflanzenteilen. Mit fortschreitender Infektion verbräunen die Blätter und trocknen schließlich vom Rand her ein.
  • Verbreitung: Wind, Spritzwasser
  • Wachstumsbedingungen: mind. 10-12º Lufttemperatur sowie 70 % Luftfeuchtigkeit.
  • In der Regel geht der Echte Mehltau aber „pfleglich“ mit den Wirtspflanzen um, da er als obligater Parasit auf die lebende Pflanze angewiesen ist. So können auch stark befallene Pflanzen noch relativ lange weiterleben. Bei stärkerem Befall kommt es zu Wachstumsstockungen.
  • Mehltaurassen sind streng wirtsspezifisch. Jede Mehltauart ist auf eine bestimmte Wirtspflanze spezialisiert und kann sich nur von ihr ernähren. Eine Ansteckung zwischen verschiedenen Pflanzenarten ist daher auszuschließen.
  • breitet sich in der Regel erst im Hochsommer aus, wenn die Pflanzen bereits gut entwickelt sind. Daher hält sich der angerichtete Schaden in Form einer reduzierten Photosyntheseleistung meist in Grenzen.
  • befällt vor allem Rittersporn, Phlox, Rosen, Äpfel, Stachelbeeren, Gurke, Salat, Spinat, Astern,,Salbei, Zucchini, Karotten, Schwarzwurzeln. Indianernessel.
  • überwintert an Pflanzen

Peronosporaceae – falscher Mehltau

  • Belag: grauer bis grauvioletter Pilzrasen auf der Blattunterseite. Auf der Blattoberseits sind Aufhellungen oder gelbliche Flecken zu erkennen und das Blatt stirbt mit der Zeit ab. Der Schimmelrasen ist weniger dicht als beim Echten Mehltau

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    Falscher Mehltau mit Mosaikmuster an Blattoberseite (Source Wikipedia)
  • überwintert im Boden, in Falllaub oder Ernteresten. Die im Frühjahr gebildeten Sporen infizieren bei ausreichender Blattfeuchte erneut die Blätter.
  • befällt vorrangig Radieschen, Rettich, Meerrettich, Kopfsalat, Erbsen, Feldsalat, Kohlgewächse, Spinat, Zwiebeln und Weinreben.
  • Falscher Mehltau liebt Feuchtigkeit und kühlere Temperaturen

Die meisten käuflichen Spritzmittel sind mit größtem Argwöhn zu betrachten. Sie können Insekten schaden unter denen auch viele Nützlinge zu finden sind (Bienen, Marienkäfer, Schlupfwespen, Flor- und Schwebfliegen,..), gelangen in Gewässer und je nach Mittel vergiften sie Wasserpflanzen, Wasserorganismen und Fische,  reichern sich im Boden an und führen zu Übersäuerung (schwefelhaltige Mittel) oder sind bei falscher Anwendung auch für den Menschen und Tiere der Umgebung gesundheitsschädigend. Auch durch die Nahrungskette (als Beispiel: Hühner fressen Insekten, die zuvor in Kontakt mit Fungiziden kamen, die Eier können Spuren von Chemikalien enthalten) gelangen Fungizide in unsere Nahrung. Deshalb ist den natürlichen Mitteln immer der Vorzug zu geben. Dazu auch unten angeführter Link des Bundesumweltamtes Deutschland.

(https://www.umweltbundesamt.de/mehltaupilze-im-garten-haeufig-anzutreffen-haeufig#Mehltaupilze-Fehlanwendungen)

Ebenso ist abzuraten von der Verwendung von Kochsalzlösung, die auf keinen Fall ins Erdreich gelangen sollte, da sie dort Schaden an den Mikroorganismen und dem Mineralstoffhaushalt anrichten kann.

Echter Mehltau hat jedoch nicht nur als Schadpilz eine Bedeutung sondern auch eine ökologische. Gewisse Marienkäferarten (z.B. der 16-fleckige oder 22-punktige ernähren sich ausschliesslich von Mehltau, können daher auch zur Bekämpfung genutzt werden.

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Sechzehnfleckiger Marienkäfer auf mit Mehltau befallenem Blatt (Source Wikipedia)

Befallene Blätter und Früchte sind wegen der Mehltaupilze nicht wirklich giftig. Der Verzehr empfiehlt sich trotzdem nicht, da die Pilze und Sporen teilweise starke Allergien auslösen können. Speziell ältere oder kranke Menschen, Kleinkinder und jene Personen mit bekannten Allergien gegen Penicillin sollten den Kontakt mit den befallenen Pflanzenteilen vermeiden oder zumindest ausreichend Schutzvorkehrungen treffen (Handschuhe, Atemmaske,..).

–> Tipps für die Vorbeugung und Behandlung  

(ohne Garantie oder Prüfung auf Wirksamkeit)
  • mehltau-resistente Gemüse- und Obstsorten wählen
  • gesunde und widerstandsfähige Pflanzen in Mischkulturen setzen
  • gefährdete Pflanzen nicht zu dicht setzen, damit genügend Luftbewegung zwischen den Pflanzen entstehen kann, für Belüftung in Gewächshaus und Folientunnel sorgen.
  • auf ausreichend Sonnenlicht achten je nach Anspruch der Pflanzenart, das stärkt die Vitalität jeder Pflanze
  • gefährdete Pflanzen nur von unten und möglichst morgens giessen und damit dafür sorgen, dass sie über Nacht trockene Blätter haben
  • eine zu starke Stickstoffdüngung vermeiden, denn das macht das Pflanzengewebe weich und anfällig, auch resistente Pflanzensorten können dann einem Befall vor allem spät im Sommer nicht Wiederstehen.
  • Unkraut entfernen und Mulchen. Ein gemulchter Boden verringert die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze und hilft durch gleichmäßigere Bodentemperaturen einen Befall zu verringern.
  • Bodenleben fördern: ausreichend Mikroorganismen bauen Pilzsporen schneller ab und verringern den Befall. Humusgaben in Form von Kompost oder auch eine Gründüngung tragen dazu bei. Eventuell effektive Mikroorganismen ausbringen
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Rainfarn (Source Wikipedia)
 

  • Befallene Blätter und Triebe sofort entfernen, die Pflanze wenn möglich auslichten. Da die Sporen ohnehin überall auftreten, muss man auf eine Kompostierung infizierter Pflanzen oder Pflanzenteile nicht verzichten. Beim Kompostieren jedoch gleich anderes Pflanzenmaterial oder Erde über die befallenen Pflanzenteile geben, damit die Sporen nicht vom Wind weitergetragen werden können.
  • Obstbäume regelmäßig schneiden um die Krone luftig zu halten.
  • eine permanente Gründüngung unter Bäume pflanzen, die das Spritzwasser auffängt und damit das Übertragen der Sporen von Erde auf Baum vermindert.
  • mit Steinmehl bestäuben
  • Geräte, Scheren sowie Handschuhe nicht beim Arbeiten an gesunden Pflanzen weiter-verwenden. Befallene Pflanzen immer am Schluss bearbeiten.
  • Marienkäferlarven als Nützlinge einsetzen
  • Besprühen mit einem der folgenden:
    • Rohmilch
    • Schachtelhalm
    • Knoblauch
    • Rainfarn
    • Backpulver
    • Soda, Natron (1:99)
    • Salbei
    • Pfefferminze
    • Schafgarbe

Rezepte für Sprühlösungen

Milch

Rohmilch oder angesäuerte Milch circa im Verhältnis 1:8 mit Wasser gemischt und anfangs wöchentlich, dann alle 2 Wochen auf die Pflanzen gesprüht soll gut helfen. Die Bakterien der Milch bilden einen dichten Bakterienrasen auf den Blättern und verhindern so einen Schadbefall durch Pilzsporen.

Rainfarn

100g getrockneten Rainfarn, Blätter und Blüten von den Stielen lösen mit 1 Liter Wasser aufgießen und 30 Minuten köcheln lassen. Dabei lösen sich wirksame ätherische Öle und Bitterstoffe. Nach dem Abkühlen durch ein Sieb gießen. Für die Anwendung mit Wasser mischen im Verhältnis 1:10 bis 1:6 und Gemüse nicht direkt nach dem Sprühen verzehren.

Schachtelhalmbrühe

1-1,5 kg frisches Kraut oder 150-200g getrockneten Schachtelhalm 24h in 10l Wasser einweichen, 30 min kochen und alle 2 Wochen  im Verhältnis 1:5 giessen oder über die Pflanzen sprühen. Die enthaltene Kieselsäure stärkt bei regelmäßiger Anwendung die Zellwände und fördert damit die Resistenz gegen Mehltau.

Backpulverlösug

mit in Wasser aufgelöstem Backpulver spritzen, es sollte eine 1% Lösung hergestellt werden. Wenn möglich mit reinem Kaliumhydrogencarbonat  (ein Salz der Kohlensäure und völlig harmlos, auch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen) das in Backpulver enthalten ist sprühen. Kaliumhydrogencarbonat wird auch im biologischen Anbau als Fungizid verwendet.

Salbeiauszug

Salbeiauszug: 200 Gramm getrockneten Salbei auf 10 Liter kaltes Wasser geben, 24h ziehen lassen, unverdünnt giessen oder sprühen

Knoblauchabkochung

4 zerkleinerte Zehen mit 1l kochendem Wasser übergiessen. Oder eine Zwischen- oder Unterpflanzung probieren, Knoblauch oder auch Schnittlauch helfen mit ihren ätherischen Ölen bzw. schwefelhaltigen Verbindungen Bakterien in Schach zu halten.

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