Manchmal merke ich ganz stark, dass unser Garten eine eigene – noch heile – kleine Welt ist. Das zu fördern ist mein Anliegen.
Bei meinem Mann und mir begann das Igel-Projekt damit, dass wir im Frühling zwei junge Igel aus der Wildtier-Auffangstation „Kleine Wildtiere in Not“ bei Graz abgeholt haben. Wir haben sie in unseren Garten gesetzt und weg waren sie. Ein paar Tage haben wir ihnen Futter und Wasser hingestellt. Wir wussten nicht: Bleiben sie hier? Finden sie ein neues Revier? Oder sind sie weitergezogen? Lange Zeit haben wir nichts mehr von ihnen gehört und sie auch nicht bei meinen abendlichen Schnecken-Sammelrundgängen gesehen.
Als ich sie dann doch im Spätsommer eines Abends im Schein der Taschenlampe sah, war klar: Wir wollen ihnen ein Igelhaus bauen und sie füttern, damit sie gut durch den Winter kommen. Es gibt heutzutage mancherorts für Igel wenig Insekten zu fressen und Unterstützung ist dann essentiell für ihr Überleben. Wir haben das Häuschen an einem geschützten Platz auf unserer Terrasse aufgestellt und gewartet. Es war nicht klar, ob sie die Futterstelle annehmen, ob sie wirklich im Garten geblieben sind oder nur kurz vorbeigeschaut haben.
Am ersten Abend haben wir das Futter frei hingestellt, aber nach dem ersten Mal – an dem das Futter weg war (ich vermute stark, eine Katze hat sich bedient) – haben wir den Teller direkt ins Häuschen gestellt. Das schützt das Futter auch gleich vor Nässe, wenn es regnet.

Dann wurde es erst so richtig spannend. Ich habe eine Wildkamera gekauft, um nachts zu sehen, wer da bei uns herumschleicht. Ich habe mehrere Videos und Fotos gemacht und zeige euch im Blog ein paar davon. Leider ist die die Qualität der Aufnahmen in der Nacht nicht so gut. Trotzdem, was wir da alles gesehen haben, hat uns überrascht! Es waren unsere beiden Igel dabei – das Highlight ist ein Video, wo sich zwei Igel gleichzeitig ins kleine Futterhäuschen quetschen wollten.
Aber die Kamera hat noch viel mehr eingefangen: Ein Marder schlich vorbei, die Katzen der Nachbarn haben die Gegend unsicher gemacht und sogar eine Amsel war frühmorgens auf den Bildern zu sehen. Auch gefreut habe ich mich über die Tigerschnegel – diese großen, gestreiften Nacktschnecken, die für den Garten so nützlich sind. Es ist wie ein kleines Kino der Nacht.
Was mich ein bisschen verwundert hat, ist, dass die Igel gefühlt ständig rein- und rausgeschlüpft sind. In einer einzigen Nacht waren es sechs- oder siebenmal! Ich konnte im Dunkeln nicht genau unterscheiden, welcher der beiden es war, aber ich nehme an, sie haben sich abgewechselt. Da Igel eigentlich stark territorial sind, kommen sie sicher nur deshalb gemeinsam her, weil sie das Futter wittern und beide unbedingt noch ihren Winterspeck anfressen wollen, bevor es kalt wird

Weil uns der Schutz dieser Tiere sehr am Herzen liegt, haben wir auch bei der Aktion „Gartenvignette“ von Tierschutz Austria mitgemacht und unseren Garten dort eingetragen. Auf der Seite tierschutz-austria.at/gartenvignette findet man super Tipps, wie man den eigenen Garten igelfreundlich herrichtet. Manches passt schon gut bei uns, ein paar Tipps kann ich vielleicht noch umsetzen.
Unser Garten ist für Igel fast ideal. Wir haben wilde Ecken stehen gelassen, es gibt geschützte Winkel und der Durchschlupf in den Nachbargarten ist gewährleistet – wichtig, denn Igel haben große Reviere. Aber noch wichtiger ist, was wir nicht tun: Bei uns kommt kein Schneckenkorn zum Einsatz, wir verwenden keine Pestizide und haben auch keinen Mähroboter. Diese drei Punkte sind nämlich einige der größten Gefahrenquellen für Igel. Schneckenkorn vergiftet die Tiere indirekt über ihre Nahrung, Pestizide vernichten ihre Insekten-Beute und ein Mähroboter kann die nachtaktiven Tiere im hohen Gras schwer verletzen.

Wenn auch du deinen Garten in einen sicheren Hafen verwandeln möchtest, hier sind fünf einfache Maßnahmen, die du sofort umsetzen kannst:
- Verzichte auf Gifte und Fallen: Kein Schneckenkorn, keine Pestizide und keine chemischen Dünger. Ein gesunder Boden bietet genug natürliche Nahrung für Igel.
- Sichere deine Technik: Wenn du einen Mähroboter hast, stelle ihn so ein, dass er nur tagsüber fährt, oder verzichte ganz darauf. Igel schlafen tagsüber oft im hohen Gras und werden nachts aktiv.
- Schaffe Durchgänge: Igel wandern jede Nacht mehrere Kilometer. Ein kleines Loch im Zaun (ca. 13×13 cm) ermöglicht ihnen den sicheren Wechsel in den Nachbargarten, ohne dass sie auf die Straße müssen.
- Biete Unterschlupf: Ein Igelhaus aus Holz oder ein einfacher Haufen aus Laub und Totholz in einer ruhigen Ecke bietet tagsüber Schlafplätze und im Winter Quartiere.
- Füttere zur richtigen Zeit: Besonders im Frühjahr (nach dem Winterschlaf) und im Herbst (vor dem Winterschlaf) ist zusätzliches Futter lebenswichtig. Verwende spezielles Igel-Trockenfutter oder Katzenfutter (fleischbasiert, ohne Getreide, Honig, Fisch) und stelle immer frisches Wasser dazu.
Artenschutz muss gar nicht kompliziert sein. Es beginnt oft schon damit, dass man ein paar Ecken im Garten einfach „wild“ lässt und bewusst auf schädliche Hilfsmittel verzichtet. Dass „unsere“ Igel wiederkommen und wir jetzt so viele verschiedene Tiere auf unseren Videos sehen, ist sehr fein – es freut mich riesig!
Mach mit, wenn du einen Garten hast! Schau heute Abend mit einer Taschenlampe in deinen Garten oder prüfe, ob du einen Igel siehst. Kontrolliere, ob dein Zaun igelfreundlich ist. Hast du schon Erfahrungen mit Igeln im Garten oder planst du, ein Igelhaus aufzustellen? Der Bau ist wirklich einfach. Dazu gibt es Anleitungen zum Beispiel auf dieser Webseite von Nabu (Naturschutzbund Deutschland).
Schreib mir in die Kommentare, ob du Igel wie ich, süß findest – vielleicht hast du auch schon mal kleine Nachtwanderer in deinem Garten entdeckt?
Bis zum nächsten Mal!

